Schon das Debüt seines Quartetts trug den programmatischen Titel “Constantly Moving” und dokumentierte die ersten Jahre der Band seit ihrer Gründung 2003. Auf dem Nachfolge-Album “Zeichen der Zeit” (2009) bezog das Frederik Köster Quartett mit ihrem unverblümten Miteinander von ehrlicher Rockgitarre und elastischer Jazztrompete, von Improvisationslust und Songwriter-Storyteller-Qualitäten ihre eigene Position: “Das ist die Band, wie sie heute klingt und alle unsere Einflüsse, die Zeichen der heutigen Zeit und die vergangener Zeiten sind da alle mit drin” erklärte der Bandleader. Und die Zeichen der Zeit standen gut für Frederik Köster. So erhielt er 2009 sowohl mit seinem Quartett als auch als Solist den Neuen Deutschen Jazzpreis und wurde in 2010 mit einem ECHO JAZZ und dem WDR Jazzpreis ausgezeichnet. Jetzt folgt das dritte Album der Band, die sich als stetiges “work in progress” weiterentwickelt: “Momentaufnahme“.
” Dass wir jeden Tag anders klingen, ist klar” erläutert Frederik Köster. “Das ist ja: Jazz…” Der Titel des Albums bezieht sich vielmehr auf den Spätsommer/Herbst 2009, als die vierteilige Suite entstand, die jetzt im Zentrum des Albums steht. Der erste der vier Abschnitte – “3×211″ – überträgt den 3. Modus aus der Kompositionslehre Olivier Messiaens´ in eine betörende Trompetenmelodie, die man noch von Miles Davis´/Gil Evans´ »Sketches Of Spain« zu kennen meint, um sich im Handumdrehen zum kompakten Pas de Deux mit der Elektrogitarre von Tobias Hoffmann zu verdichten.
Die sanfte Flügelhorn-Ballade “Liebeslied” widmet Frederik Köster seiner Frau Kasia. Bezaubernd, wie hier die individuellen Beiträge der Musiker einander umkreisen, sich verschränken, buchstäblich zu einem gemeinsamen Lied verschmelzen.
Doch es wäre zu kurz gedacht, Frederik Köster für einen esoterischen Feingeist aus dem l´art pour l´art-Elfenbeinturm zu halten. “Mich hat immer das ganze Netzwerk fasziniert: Kunst, Musik und Zeitgeschichte” schickt er dem rockig inter-agierenden “2. Juni” voraus. “Ich bin im ‘Deutschen Herbst’ `77 geboren worden. Kürzlich habe ich Stefan Austs »Der Bader-Meinhof Komplex« gelesen, in dem die Unruhen vom 2. Juni 1967 als Initialzündung der Studentenbewegung beschrieben wurden. Ich wollte die Energie dieser Zeit und die Passion, mit der die Leute damals auf die Strasse gegangen sind, hier einfangen.”
Ist es Zufall, dass die robuste Kraft des Gitarrensolos über ostinaten Rock-Patterns sich schließlich in der ebenso kraftvollen wie lyrischen Trompetenlinie von “Prayer” (und seinen offenen Klangflächen) entspannt? Die meditative Grundhaltung des Stücks verweist auf Kösters Beschäftigung mit dem Buddhismus.

Eingerahmt sind die vier Teile der Suite für Quartett von zwei Stücken in erweiterter Besetzung eingerahmt: an Saxophon und Bassklarinette kommt hier Niels Klein als zweiter Bläser dazu. Und auch wenn “Arabesque (Prolog)” und “Schaltjahr (Epilog)” zeitlich unabhängig entstanden sind, zeigen sich doch starke Zusammenhänge: “Das vorige Album ‘Zeichen der Zeit’ wurde oft mit Begriffen wie Jazzrock oder Fusion beschrieben” lacht Frederik Köster. “Aber das ist eigentlich zu wenig. Ich möchte mehr Facetten zeigen; solche, die auch schon damals in der Musik steckten. Jetzt wollte ich noch mehr Interaktion, mehr Kollektiv haben; kurz gesagt: Freiheit und Komposition verbinden.”

So wird die „Momentaufnahme“ zum Portrait einer Gruppe von Freunden, die schon lange intensiv zusammen arbeiten. Inzwischen gehören sie, jeder für sich, zu den profiliertesten Vertretern der jungen Generation. Der Gitarrist Tobias Hoffmann zum Beispiel, der sich die Klangvielfalt der Gitarre vom cleanen Jazz über komplexe Soundcollagen bis zum schrammeligen Alternative Rock zunächst autodidaktisch aneignete und in dessen Band »Fallschirme« der Schlagzeuger Ralf Gessler ebenfalls für die emotionale Grundierung sorgt. Oder Robert Landfermann (WDR Jazzpreis-Träger 2009), der in seiner Konzertreihe ‘Nicht Ohne Robert’ einige der spannendsten Begegnungen der frei improvisierenden Szene auf die Bühne brachte und nicht nur als Bassist im Pablo Held Trio längst international bekannt ist. Nicht zuletzt gehören Frederik Köster, Tobias Hoffmann, Robert Landfermann und auch Niels Klein zu den Gründungsmitgliedern der Kölner KLAENG-Kollektivs.

Gleichzeitig zeichnet die „Momentaufnahme“ aber auch ein Bild des Musikers Frederik Köster – ein Bild mit Tiefenschärfe. Da ist einerseits der Trompeter, der sein breites Klangspektrum vom kernig strahlenden Edelmetall bis zum warmen, elastischen Gesang stetig erweitert und damit längst zu den Meistern seines Instruments gehört, der genauso neben Randy Brecker auf der Bühne steht wie mit dem Rapper Curse. Genau so deutlich hörbar wird andererseits der erfahrene Komponist mit eigener Handschrift, der auch schon groß angelegte Partituren für sein »Frederik Köster Jazz Orchester« schrieb. Und da ist der improvisierende Musiker, spontaner Erfinder tragfähiger Melodien – nicht als Solitär, sondern in enger Kommunikation mit seinen Kollegen.

Schließlich wirft »Momentaufnahme« auch ein Blitzlicht auf den aktuellen Stand der Musik: da mischen sich Jazz-Konzepte von Coltrane bis Dave Douglas mit Mehrschichtverfahren der Steve Reich´schen Miminal Music, Messiaen´schen Modi, rhythmischer Energie von Heavy Metal von Rock bis Radiohead und erzählerischen Songwriting-Qualitäten von den Beatles bis Nirvana. Am Beginn des 21. Jahrhunderts schöpfen junge Musiker aus dem vollen Fundus ihrer Hör-Erfahrungen. Es ist ein guter Moment für den Jazz. (Tobias Richtsteig)

Kritik:

“Frederik Köster’s new CD ‘Zeichen der Zeit’ is completely modern in conception and realization with world first! class playing and composing by Frederik and everyone else in this engaging band!” (Randy Brecker)

“Elektronik nutzen und doch organisch klingen – das gelingt dem Kölner Trompeter Köster, der seit fünf Jahren mit dem Gitarristen Tobias Hoffmann, dem Bassisten Robert Landfermann und dem Schlagzeuger Ralf Gessler ein Quartett bildet. Die Combo bereichert die deutsche Jazzszene.” (Der Spiegel)

“Zeichen der Zeit ist wahrhaft innovativ, erfrischend – meist klanggewaltig inszeniert. Gelegentlich auch wohltuend defensiv.” (Jazzzeitung)

“Man kann der Band bescheinigen, ein treffendes Beispiel für wirklich zeitgenössischen Jazz zu sein. Eine Musik, in der sich Gitarren-Energie des alternativen Rock mit der harmonischen Finesse des Impressionismus und spacigen Elektrobeats verbindet und dabei weder unter komplexe Genrekollagen herumkumpelt und doch das Herz in Richtung Elfenbeinturm verlässt.” (Jazzthetik)

“Köster hat alle Titel komponiert und arrangiert und erweist sich dabei als Meister der Fusion. Die CD stellt ein herausragendes Beispiel für den Aufwind dar, den die deutsche Jazz-Szene durch überaus talentierte Nachwuchsleute in den letzten Jahren erfahren hat.” (Jazzpodium)

“Mit der neuen CD “Momentaufnahme” ist dem Frederik Köster Quartett wieder ein Meisterwerk gelungen”. (Deutschlandfunk)

“… Die Spielhaltung dieses Gespanns pendelt zwischen Punk und Romantik…” (Oberbayrisches Volkslatt)